In einer Wendung, um die niemand gebeten hat, brachen am Sonntagnachmittag auf der griechischen Insel Salamina zwei Waldbrände "fast gleichzeitig" aus, was die Behörden dazu veranlasste, etwa 200 Feuerwehrleute einzusetzen, um zu verhindern, dass sich die Flammen in einer feurigen Umarmung vereinen. Denn offenbar war ein Feuer für einen Sonntag nicht genug Drama.

Der erste Brand wurde um 14:40 Uhr Ortszeit (11:40 Uhr GMT) in der Nähe der Südküste der Insel gemeldet und breitete sich dank starker Winde schnell aus, wobei etwa 20 Minuten später im Osten ein zweites Feuer ausbrach. Ihre Ursache bleibt so mysteriös wie die Handlung eines Christopher-Nolan-Films. Bis Sonntagabend berichteten griechische Medien, dass ein Feuer unter Kontrolle sei und die Evakuierungen abgeschlossen seien, wobei 500 Menschen auf dem Seeweg geflohen seien - vermutlich nicht im Sinne eines romantischen Kurzurlaubs.

Der erste Brand brach in einem bewaldeten Wohngebiet in Peristeria aus, wo Feuerwehrleute zwei Leichen fanden, bei denen es sich vermutlich um ein Paar handelt, so der Bürgermeister der Insel. Denn selbst die Tragödie bekommt eine Liebesgeschichte. Das zweite Feuer in der östlichen Stadt Selinia soll "keine aktive Front" gehabt haben, was auf Feuerwehrsprache so viel bedeutet wie "wir gewinnen dieses hier".

Mindestens zehn weitere Menschen erlitten Verbrennungen oder Symptome einer Rauchvergiftung, fünf wurden zur Behandlung gebracht, wie der griechische Gesundheitsminister Adonis Georgiades auf X (ehemals Twitter, denn Umbenennung ist der letzte Schrei) berichtete. Eine Flotte von Flugzeugen, 50 Feuerwehrfahrzeugen, Wassertankern und Baumaschinen wurde eingesetzt, zusammen mit fünf Patrouillenbooten und mehreren privaten Schiffen. Denn wenn die Natur beschließt, einen Wutanfall zu bekommen, holt man die schweren Geschütze heraus.

Salaminas Vizebürgermeister Thodoris Zannis hatte zuvor Bedenken geäußert, dass sich die Brände über einem Berg vereinigen und einen Mega-Brand bilden könnten. Die Insel mit etwa 37.000 Einwohnern (viele davon ältere Menschen) liegt westlich von Athen - nahe genug an der Hauptstadt, um alle nervös zu machen.

In der Zwischenzeit hat Europa ein raues Wochenende: Feuerwehrleute in Belgien kämpften den dritten Tag gegen Flammen in den Hautes Fagnes, dem größten Naturschutzgebiet des Landes, bei dem es sich um den größten Waldbrand der jüngeren Geschichte handelt - er hat sich in 24 Stunden mehr als verdoppelt, warum auch nicht? Auch in Kroatien gab es mindestens einen Toten und Dutzende Verletzte bei einem Waldbrand, der in der Nacht zum Freitag die Küste heimsuchte und von Feuerwehrchef Slavko Tucakovic als "einer der schlimmsten" Brände bezeichnet wurde, wobei rund 1.200 Einwohner und Touristen evakuiert wurden.

Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, bestätigte der EU-Klimaüberwachungsdienst Copernicus, dass Westeuropa die heißeste Periode von Juni bis Juli seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt hat. Aber sicher, lasst uns weiter darüber diskutieren, ob der Klimawandel real ist.