In einer Wendung, die nach „Vorsicht, was man sich wünscht“ schreit, hat Amazons Cybersicherheitsforschung offenbar dazu geführt, dass das Weiße Haus eine Exportkontrollverordnung über Anthropics Modelle Fable 5 und Mythos 5 verhängt hat. Laut Wall Street Journal begann die Ereigniskette, als Amazon-CEO Andy Jassy die Erkenntnisse des Unternehmens – die angeblich belegen, dass Fable 5 durch eine Reihe von Prompts dazu gebracht werden kann, cyberangriffsfreundliche Informationen preiszugeben – mit der Regierung teilte. Amazon hat noch nicht auf eine Anfrage um Stellungnahme reagiert, vermutlich weil es sich gerade selbst auf die Schulter klopft.

Kurz nach Jassys kleinem Plausch beschloss das Weiße Haus, ausländischen Staatsangehörigen den Zugang zu Anthropics Modellen zu sperren. Das wäre eine kleine Unannehmlichkeit, nur dass viele von Anthropics Forschern im Ausland geboren sind. Also kann das Unternehmen, das die KI gebaut hat, sie jetzt nicht mehr nutzen. Hoppla.

Anthropic bestreitet natürlich die Darstellung der Regierung, es handele sich um einen „Jailbreak“. In einer Stellungnahme argumentierten sie, dass ähnliche Schwachstellen auch in anderen öffentlich verfügbaren Modellen zu finden seien, darunter GPT 5.5. Sicherheitsforscher scheinen zuzustimmen: Katie Moussouris, Gründerin und CEO von LutaSecurity, postete auf BlueSky: „Ich habe das Papier gesehen. Es ist kein Jailbreak.“ Die ehemalige Handelsministerin Kate Koren spekulierte gegenüber dem WSJ, dass die Abneigung des Weißen Hauses gegen Anthropic die Entscheidung beeinflusst haben könnte. Denn nichts sagt „faire und ausgewogene Regulierung“ wie eine persönliche Fehde.

Anthropic und die Trump-Administration liegen seit einiger Zeit im Clinch, weil das Unternehmen sich weigert, seine KI für die Massenüberwachung von Amerikanern oder für den Betrieb tödlicher autonomer Waffen einsetzen zu lassen. Im Februar ordnete Trump an, dass Bundesbehörden die Nutzung von Anthropics KI einstellen sollen, und Verteidigungsminister Pete Hegseth stufte das Unternehmen als Lieferkettenrisiko ein. Die beiden Seiten schienen sich kürzlich wieder zu vertragen und arbeiteten zusammen, um den Zugang zu Mythos zu erweitern. Doch jetzt steuern sie auf den nächsten Zusammenstoß zu. Holt das Popcorn.