In weniger als einer Woche hat Spider-Man: Brand New Day weltweit satte 1 Milliarde Dollar eingespielt und das groesste Eroeffnungswochenende in der Geschichte Hollywoods erzielt. Genau richtig - der Netzschwinger hat gerade jeden anderen Studiochef in sein Popcorn schluchzen lassen. Der Film ist eine strahlende Erinnerung daran, warum Sony die Spider-Man-Rechte niemals, wirklich niemals aufgeben wird, und warum Marvel klug daran tat, mit ihnen zu spielen. Aber obwohl Brand New Day zweifellos exzellent ist, ist es nicht gerade ein leuchtendes Zeichen dafuer, dass Marvel herausgefunden hat, wie man sein eigenes ausuferndes, verworrenes Universum repariert.
Seien wir ehrlich: Der Kassenerfolg von Brand New Day ist nicht gerade ueberraschend. Sonys und Marvels juengste Spider-Man-Filme waren konstante Gelddruckmaschinen. Spider-Man: Homecoming und No Way Home haben beide am Eroeffnungswochenende die 100-Millionen-Dollar-Marke geknackt, und Far From Home brauchte nur sechs Tage, um 185 Millionen Dollar einzuspielen. Was hier anders ist, ist die Geschwindigkeit und das Ausmass - Brand New Day hat Rekorde so schnell gebrochen, dass es praktisch ein Wirbel aus Netzfluid und Geld ist. Es ist der Beweis, dass die Leute immer noch nach Comic-Spektakel auf der grossen Leinwand lechzen, wenn die Sterne guenstig stehen. Aber die Magie, die diesen Spider-Man zum Funktionieren bringt, hat in den Nicht-Spidey-Teilen des MCU schmerzlich gefehlt.
**Spoiler-Alarm: Wir tauchen gleich in die Handlung von Brand New Day ein. Wenn du den Film also noch nicht gesehen hast, tu das vielleicht zuerst.**
Jon Watts' Spider-Man-Trilogie verhedderte sich schliesslich im Multiversum, aber diese Filme erzaehlten relativ in sich geschlossene Geschichten und bauten eine bodenstaendige Welt um Tom Hollands Peter Parker auf. Dieser Ansatz hob sein Wachstum als Solo-Held hervor und machte seine Avengers-Crossovers zu einem Spass. Nun haben Regisseur Destin Daniel Cretton und die Co-Autoren Chris McKenna und Erik Sommers ein empfindliches Gleichgewicht zwischen Sonys Solo-Spidey-Filmen und Marvels Crossover-Extravaganzen gefunden. Wir bekommen klassische Schurken wie John Bernthals Punisher und Michael Mandos Scorpion, plus Mark Ruffalos Hulk, der herumlaeuft, aber das Herzstueck der Geschichte ist Peter, der mit den emotionalen Folgen davon fertig wird, sich aus dem Gedaechtnis aller geloescht zu haben.
Laecherlich? Sicher. Aber es funktioniert, weil fruehere Spider-Man-Filme die Grundlage gelegt haben. Man konnte Watts' Trilogie schauen und in Brand New Day gehen und die Einsaetze und das emotionale Gepaeck der Charaktere verstehen. Die breitere Multiversum-Saga des MCU - die mit WandaVision begann und mit Avengers: Secret Wars enden wird - hatte Muehe, diese Art von narrativer Kohaerenz aufrechtzuerhalten. Marvel hat viel zu viele Teller in der Luft gehalten, waehrend Sony weise bei den Spin-offs auf die Bremse getreten ist. Und angesichts der lauwarmen Reaktionen auf die Trailer zu Marvels naechstem grossem Ding scheinen die Fans nicht gerade auf das zu sein, was kommt.
Avengers: Doomsday wird die Erden-maechtigsten Helden wiedervereinen, um sich einem Doctor Doom zu stellen, der von Robert Downey Jr. gespielt wird. (Warum auch nicht? Das Multiversum erklaert alles.) Der Film wird wahrscheinlich dasselbe Multiversum nutzen, um zu erklaeren, warum Doom genauso aussieht wie Iron Man, und er wird einige Live-Action-X-Men von 20th Century Studios ins MCU bringen. Marvel nutzt Doomsday und Secret Wars eindeutig, um nach Jahren der Franchise-Aufblaehung den Reset-Knopf fuer die Multiversum-Saga zu druecken. Downey Jrs. Rueckkehr ist auch ein Weg, um die Kang-Aera hinter sich zu lassen, die Marvel nach der Entlassung von Jonathan Majors aufgab. Kevin Feige hat angedeutet, dass neue X-Men-Interpretationen der Schluessel zu Marvels Zukunft sind. Aber wenn sie wollen, dass wir uns um Charles Xavier und seine Schueler kuemmern, sollten sie sich Notizen von Brand New Day machen.
Statt Sadie Sinks Jean Grey als charmante Telepathin einzufuehren, praesentiert Brand New Day sie als verzweifelte Teenagerin, die bereit ist, jeden zu vernichten, der sich ihr in den Weg stellt, um ihre Schwester zu finden. Die Grey-Geschwister sind Mutanten mit gefaehrlichen Kraeften, aber was Jean zu toedlicher Gewalt treibt, ist die Regierung, die sie jagt, um sie zu Waffen zu machen. Indem der Film Jean als Boesewicht darstellt, haelt er seine Geschichte bodenstaendig und bietet einen Einblick, wie das MCU die klassische X-Men-Ueberlieferung angehen koennte. Jean will keine Unschuldigen verletzen, aber sie tut es - sehr oeffentlich - und ihr koennt darauf wetten, dass das spaeter die Spannungen zwischen Menschen und Mutanten anheizen wird.
Brand New Day schafft es, all das anzuzapfen