John Wood, ein 79-jähriger ehemaliger Telekommunikationsingenieur, hat jahrzehntelang still und heimlich Glasgows schwule Lederszene von einem umgebauten Dachboden im West End der Stadt aus dokumentiert – eine Tatsache, die wohl jeden überraschen dürfte, der annahm, seine schrägen, intimen Porträts seien in New York während der Mapplethorpe-Ära oder in den homoerotischen Fantasien von Tom of Finland entstanden. Seine erste Einzelausstellung überhaupt, die jetzt in der Celine Gallery in Glasgow zu sehen ist, zeigt Werke aus den Jahren 1982 bis 2002, darunter eine Polaroid namens „Cal“ und einen Gelatinesilberabzug vom Juni 2002. Die Nachbarn hatten vermutlich keine Ahnung.

Wood brachte sich das Fotografieren als Teenager selbst bei, indem er Magazinbilder studierte, und seine erotischen Archive blieben bis jetzt weitgehend verborgen. Die 20-jährige Sammlung der Ausstellung zeigt Männer in Lederjacken, Handschuhen, Stiefeln und Mützen – oft mit Zigaretten, die ihre Gesichter verbergen – aufgenommen in einer Dunkelkammer, die weniger an Studio 54 erinnerte, sondern eher an „ruhiger Dachboden in Glasgow“. Mit 79 bekommt Wood endlich seine verdiente Anerkennung – ein Beweis, dass es nie zu spät ist, aus dem (Leder-)Schrank zu kommen.