London, macht eure Ohren bereit: Paavo Järvi kommt 2028 für immer in die Stadt, wenn er das London Philharmonic übernimmt. Aber davor beehrt er die Royal Albert Hall mit dem BBC Symphony Orchestra und beweist, dass er der ruhige, gelassene Dirigent ist, den wir alle in diesen chaotischen Zeiten brauchen. Sein Geheimnis? Der einfühlsamste Begleiter seit einer Therapiestunde zu sein, der Leonidas Kavakos durch ein atemberaubendes Tschaikowsky-Violinkonzert führt.

Tschaikowsky verbrachte drei Jahre damit, einen Solisten zu suchen, der mutig genug war, dieses Biest von einem Konzert uraufzuführen, aber Kavakos schlenderte herein, als wäre es ein lockerer Dienstag. Die Fingerfertigkeit und punktgenaue Intonation des griechischen Geigers in der Höhe machten kurzen Prozess mit Passagen, an denen sich die besten Fiddler die Zähne ausgebissen haben. Die komplizierten Variationen des ersten Satzes waren exquisit verziert, und seine Intensität war so fesselnd, dass das Publikum nicht anders konnte, als mitten in der Kadenz zu applaudieren – denn Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden, besonders wenn jemand so spielt.

Järvi, stets wachsam gegenüber Kavakos' generösem Rubato, hielt das Orchester in weich beschuhtem Gleichschritt, als tanzten sie ein zartes Menuett. Als die schlichte Eleganz der Canzonetta einem Hals-über-Kopf-Finale wich, ließ Kavakos die Fetzen fliegen, sein Bogen strich mit unfehlbarer Präzision über die Saiten. Und nur um zu beweisen, dass er kein Eintrickpony ist, legte er eine Bach-Zugabe nach, die mit derselben Gelassenheit und Präzision vorgetragen wurde. Denn warum nicht ein wenig angeben?